An einen Notfall denkt man ungern – doch gute Vorbereitung ist entscheidend. Deshalb werden Rettungsabläufe bei Pendel- und Sesselbahnen regelmässig geübt.
Mitte Dezember 2025 fand eine interne Rettungsübung statt: aus der Pendelbahn Surlej – Murtèl müssen Personen gerettet werden, und zwar bei Nacht. Auf Corvatsch wird nicht nur tagsüber Ski gefahren, die Pendelbahn ist nachts während der Snow Night sowie für private Abendveranstaltungen in Betrieb. Auch nachts können technische Störungen und Notfälle auftreten, dafür müssen die Mitarbeitenden gerüstet sein.
Vor allem nachts ist es nicht möglich, Personenrettungen aus der Pendelbahn mit dem Heli vorzunehmen, deshalb werden bei dieser Übung die Rettungsabläufe per Seilrettung verinnerlicht.
Nachdem die letzte offizielle Bahn vom Berg ins Tal gefahren ist, versammeln sich Bahnmitarbeiter, Techniker und das SOS-Team auf dem Perron. Der technische Leiter Peter Wäspi und der Verantwortliche für die Umlaufbahnen, Ursus Pianta, installieren zunächst die Bodenbeleuchtung bei Stütze 1 nahe der Waldgrenze. Es wird auch im Notfall eine provisorische Bodenbeleuchtung installiert. Danach wird die Kabine bis zur Stütze 1 gezogen und die Übung beginnt. In einem kurzen Briefing erklären die Bahntechniker Markus Breitenberger und Fabio del Curto die Abläufe und beginnen mit der Instruktion und den Rettungsabläufen aus der Kabine.
Unter dem Fahrersitz liegen der Ablaufplan, Schreibmaterial und Klebeband. Das technische Sicherungs-Equipment ist unter der Abdeckung des Ausstiegspunktes im Zwischenboden verstaut, die später für das Abseilen geöffnet wird. Dort befindet sich ein Material-Rucksack mit Abseilgerät (Sicherungsgerät), verschiedenen Karabinern für die Aufhängung, Hilfsseil, Absperrnetz und Sicherheitsgurten (Gstältli). Bevor die Öffnung für das Abseilen geöffnet wird, muss das Absperrnetz gespannt werden. Es sorgt für Sicherheit und ausreichend Platz für den Bahnmitarbeiter.
Das Schreibmaterial und Klebeband wird benötigt, um die Ski oder das Snowboard zu beschriften. Die Schneesportutensilien werden gesammelt hinuntergelassen und mit Beschriftung kann man die Utensilien einfacher dem geretteten Gast zuordnen. Die Schneesportgeräte werden abgeseilt, damit die Gäste auf Ski oder Snowboard unter der Leitung vom SOS ins Tal bzw. zur nächsten Piste ins Tal fahren können.
Die erste Person, die abgeseilt wird, sollte ruhig bleiben und als Vorbild dienen, um die Aufregung der anderen Gäste zu reduzieren. In unserem Fall übernimmt ein SOS-Mitarbeiter diese Rolle. Er ist anschliessend auch für die Koordination am Boden zuständig. Falls sich kein SOSler, technischer Mitarbeiter oder Skilehrer in der Kabine befindet, kann sich ein Techniker vom Boden aus mit einem Motor zur Kabine hochziehen lassen, um das Team zu unterstützen. Sobald das Netz montiert ist, legt der Bahnmitarbeiter den Sicherheitsgurt an und montiert die Verankerung an der Kabinendecke. Diese besteht aus einem V-Stand mit zwei Karabinern, an dem das Abseilgerät befestigt wird. Nach einer Kontrolle wird die erste Person fürs Abseilen vorbereitet. Sie setzt sich an die Öffnung, wartet auf das Kommando und wird abgeseilt. Die Abseilstation funktioniert wie ein Pendel. Nach einer gewissen Anzahl an Rettungen werden die Gurte wieder hochgezogen. In einer Kabine stehen sechs Gurte zur Verfügung. Das Sicherungsgerät besitzt eine Bremse, die nach mehreren Einsätzen revidiert werden muss.
Unten angekommen, werden die Personen von SOS-Mitarbeitern betreut. Sie nehmen die Sicherheitsgurte ab, erfassen die Personalien, sammeln das Skimaterial ein und schützen die Gäste vor Unterkühlung. Ist die Kabine voll besetzt, dauert eine Rettung rund zweieinhalb bis drei Stunden. Die Betreuung der Gäste ist dabei essenziell. Gesetzlich ist festgelegt, in welchem Zeitraum die Evakuierung erfolgen muss.
Das Prinzip einer Rettung aus der Pendelbahn ist einfach – doch die Handgriffe müssen sitzen, damit im Ernstfall alles reibungslos funktioniert.