Die VR Glacier Experience ist eine interaktive Virtual-Reality-Ausstellung an der Talstation Diavolezza in Pontresina, die Besucherinnen und Besucher in die hochalpine Welt des Morteratschgletschers eintauchen lässt. Sie vermittelt auf eindrückliche Weise die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Gletscherentwicklung und Wasserhaushalt. Die Ausstellung wurde im Rahmen des #gkb2020-Jubiläumsprojekts der Graubündner Kantonalbank ermöglicht und in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste sowie der Universität Freiburg entwickelt.
Eine neue Ausstellung an der Talstation Diavolezza ist in Planung mit den Themen Eis, Schnee und Wasser. Die Ausstellung ist darauf ausgelegt, den Besuchenden auf eine erlebnisorientierte und lehrreiche Weise das Thema Gletscher und Klimawandel näherzubringen. Sie soll es ermöglichen, die Veränderungen und die Faszination der Alpenlandschaft nicht nur zu verstehen, sondern sie mit allen Sinnen zu erfahren.
Die Ausstellung: Staunen und Verstehen
Die Bernina Glaciers Experience lädt dazu ein, diese faszinierende Bergwelt zu betreten. Sie zeigt, wie eng die Elemente miteinander verflochten sind: Schnee wird zu Eis, Eis zu Wasser, und Wasser formt die Welt. Doch dieser Kreislauf, einst scheinbar unveränderlich, befindet sich heute im Wandel. Die Temperatur steigt, die Gletscher ziehen sich zurück, und das Gefüge dieser empfindlichen Systeme verschiebt sich. Was sich früher über Jahrhunderte vollzog, passiert nun in wenigen Jahrzehnten – mit weitreichenden Folgen für Landschaft und Menschen. In der Begegnung mit historischen Spuren, aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und sinnlichen Erlebnissen wird sichtbar, wie die Klimaveränderung die alpine Landschaft trifft.
Diese Ausstellung versteht sich als Einladung zum Staunen, zum Interagieren – und zum Nachdenken. Sie macht erfahrbar, wie mächtig die Naturkräfte sind, die hier wirken, und wie verletzlich zugleich das System ist. Zwischen eindrücklichen Bildern, Modellen, Klängen und Geschichten entsteht eine packende Erzählung.
Geschichte und Pioniergeist
Aus heutiger Sicht wurden früher zahlreiche Pionierleistungen im Tal erbracht. Seit dem 19. Jahrhundert prägen Menschen die Region: Elizabeth Main schrieb Alpingeschichte, die ersten Gletschermessungen eröffneten neue wissenschaftliche Horizonte, und technische Meisterwerke wie die Berninabahn oder die Diavolezzabahn revolutionierten die Erschliessung der Region. In Verbindung zu den damaligen aussergewöhnlichen Leistungen werden aktuelle mögliche Lösungsansätze aufgrund der klimatischen Herausforderung dargestellt.
Die Klimaveränderung verändert das sensible System aus Schnee, Eis und Wasser grundlegend. Das Auftauen des Permafrostes nimmt zu, neue Seen entstehen, und die Wasserverfügbarkeit wandelt sich – mit Auswirkungen auf Tourismus, Energieproduktion und alpine Landschaften. Auch die Umgebung rund um die Diavolezza ist von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und die Bergteufelin «Diavolezza» zeigt ihre Geschichte auf.
Gletscherwelt– Dynamik und Wandel
Permafrost und Blockgletscher prägen die Hochgebirgslandschaft und beeinflussen deren Stabilität. Gletscher – definiert als sich bewegende Eismassen – werden über ihre Massenbilanz bewertet: das Verhältnis von Schneezuwachs und Eisverlust. Seit Jahrzehnten zeigen Messungen eine klare Tendenz: Die Gletscher schrumpfen rapide, was tiefgreifende Landschaftsveränderungen auslöst. Beispiele sind das Val Roseg und der Morteratschgletscher, wo sich neue Seen bilden und Moränen freigelegt werden.
Ikonische Gipfel und Grate wie Piz Palü, der Biancograt, Cambrena und Tschierva sowie die Aussicht von der Diavolezza erzählen Geschichten von alpinem Abenteuer und geologischer Dynamik. Der Morteratschgletscher, einst ein mächtiger Eisstrom, zieht sich jährlich um Dutzende Meter zurück. Mit dem Schwinden des Eises verändert sich das Zusammenspiel von Schnee, Eis und Wasser: neue Vegetationszonen entstehen, Permafrost taut, und die Wasserverfügbarkeit für Täler und Energieproduktion wandelt sich.
Vielfalt des Schnees – bezaubernd und schützend
Schnee ist mehr als nur eine weisse Decke: Er fasziniert durch seine filigranen Kristalle, die sich unter einzigartigen Bedingungen bilden. Als natürlicher Schutz für Gletscher bewahrt er das Eis vor direkter Sonneneinstrahlung und trägt zur Stabilität des alpinen Wasserkreislaufs bei. Doch der Schmelzprozess setzt früher ein, und die Schneedecke wird dünner.
Die Entstehung von natürlichem Schnee ist ein Zusammenspiel aus Temperatur, Feuchtigkeit und Luftbewegung. Wo die Natur nicht mehr ausreicht, greift die Technik ein: Beschneiungsanlagen sichern Wintersportgebiete, während Snowfarming Schnee für die nächste Saison konserviert.
Wasser – Lebensader der Alpen
Die Schweiz gilt als «Wasserschloss Europas»: Ihre Gletscher, Schneefelder und Seen speisen Flüsse, die weit über die Landesgrenzen hinaus reichen. Wasser ist nicht nur Grundlage für Leben, sondern auch für Energieproduktion, Landwirtschaft und Tourismus. Mit steigenden Temperaturen schmelzen Gletscher, der Permafrost taut, und die saisonale Verfügbarkeit von Wasser verändert sich. Für die Landwirtschaft in den Bergen bedeutet das neue Risiken: längere Trockenperioden, veränderte Vegetationszyklen und zunehmender Bedarf an Bewässerung.
Auch der Hochwasserschutz gewinnt an Bedeutung. Projekte wie der Flaz-Schutz in Samedan zeigen, wie sich Gemeinden auf intensivere Niederschläge und schnellere Schneeschmelze vorbereiten. Gleichzeitig entstehen innovative Lösungen wie die Eisstupas in Ladakh – technische Eiskegel, die Wasser für trockene Jahreszeiten speichern.